Wo der Pfeffer für Genießer wächst

Rolf Externbrink vom Start Up „Mr. Bong’s“

Über den Trend zur Gewürzfeinkost und das Bestreben Gutes zu tun sprachen wir mit Rolf Externbrink von Mr. Bong’ s Kampot Pfeffer

Start Ups im Gewürzhandel überleben die „Höhle des Löwen“ und setzen auf den Trend, der feine Gewürze als besondere Zutat für Genuss und Kennerschaft begreift. Ähnlich wie beim Fleisch erschließen neue Anbieter – zumeist online – jene Qualitäten, die vormals den Profis vorbehalten waren. Die neue Gewürzfeinkost ist bereits im Einzelhandel präsent, Signal genug, dass der Trend als belastbar gilt. Der Connaisseur Consumer Blog sprach mit Rolf Externbrink vom Start Up „Mr. Bong’s“ über die eigene Entstehungsgeschichte und das gewachsene Interesse an Gewürzen bester Güte.

 

Auf der Website von Mr Bong’s erfahre ich auf den ersten Blick mehr über den guten Zweck, der mit dem Kauf des Pfeffers verbunden ist, als über die Qualität des Pfeffers. Ist das euer Selbstverständnis oder wollen es die Kunden so haben?

Diese Darstellung entspricht zunächst einmal der Entstehungsgeschichte von Mr. Bong’s: Wir sind im Rahmen eines Entwicklungshilfeprojektes mit dem Land, den Menschen und dem Pfeffer in Kontakt gekommen. Unser Testmarkt waren Menschen aus dem deutschen Umfeld der Entwicklungshilfeorganisation. Da lag es natürlich nahe, den guten Zweck zu betonen.

Entschuldigen Sie die Penetranz. Aber wir reden über handverlesenen Pfeffer aus biozertifiziertem Anbau und geschützter regionaler Herkunft. Ist das nicht die relevantere Geschichte für Interessenten?

Jein. Für uns spielt der soziale Aspekt eine wichtige Rolle, daher wird er auch in Zukunft ein wichtiger Bestandteil unserer Markenkommunikation sein. Im persönlichen Verkaufsgespräch sagen wir unseren Kunden aber, dass sie ein Premiumprodukt kaufen und Gutes tun. Und genau in dieser Reihenfolge. Die Website werden wir im nächsten Schritt in dieser Richtung anpassen, damit sich auch die Genießer umfassend angesprochen fühlen.

Wie ist denn die Idee, kambodschanischen Pfeffer in Deutschland zu vertreiben eigentlich gereift? Woher kommt der Impuls?

Das war eine (Reis-)Schnapsidee. Wir haben nach einer Entwicklungshilfetour noch ein paar Tage Urlaub in Kep/Kampot gemacht und dort auf einer Pfefferplantage gewohnt. Am Abend nach einer Plantagenbesichtigung tauchte dann die Frage auf: Wäre es nicht schön, mal ein Produkt zu verkaufen, anstatt immer „nur“ Dienstleistungen, wie wir es hauptberuflich in unserer Agenturen für Design und Kommunikation machen? Die Antwort heißt jetzt Mr. Bong’s.

Und wie schnell wird man zum Experten und weiß, wo der beste Pfeffer wächst? Wie wird die Qualität der Produkte sichergestellt?

Man muss kein Experte sein, um zu erfahren, dass die Region Kampot in Kambodscha als eine der weltweit besten Pfefferregionen bekannt ist. „Kampot Pfeffer“ ist eine geschützte regionale Herkunftsbezeichnung, wie die Verbraucher sie beispielsweise von Parmesan, Champagner oder auch Kölsch kennen. Die Farm, von der wir den Pfeffer beziehen, arbeitet biologisch und ist entsprechend zertifiziert. Die Qualität wird sichergestellt durch die hervorragenden geografischen Bedingung zwischen Bergen und Meer und die quarzhaltigen Böden, die eine optimale Basis für die Pfefferpflanzen bieten.


Wie schwierig ist es für einen neugegründeten Gewürzladen den Vertrieb aufzubauen? Welche Bedeutung hat dabei der Online-Shop? Wie sieht es mit dem klassischen Einzelhandel aus?

Das Hauptproblem ist natürlich die fehlende Markenbekanntheit. Als Gewürz-Start-Up können wir hier keine große Kampagne anschieben. Wir setzen zunächst auf den Online-Vertrieb. Dieser wird mit Social-Media-Aktivitäten flankiert, die auf den Shop verweisen. Der Einzelhandel als Vertriebskanal könnte später dazu kommen.

Sie stellen dennoch Ihre Produkte auch mit Verkaufsständen im Handel vor. Wie erklären Sie den Interessenten die besondere Kostbarkeit des Produkts? Wie argumentieren Sie den Preis?

Das beste Argument ist natürlich der Geschmack. Zweiflern mahlen wir einfach frischen roten Pfeffer auf eine reife Mangospalte. Wer einmal Kampot Pfeffer probiert hat, wird in der Regel die Einweg-Mühle vom Diskounter wegwerfen. Kostbar ist der Pfeffer natürlich auch, weil Kampot eine kleine Region ist und die Produktion natürliche Grenzen hat. Dazu kommt viel Handarbeit und bei „unserer“ Farm der Umstand, dass nur einmal im Jahr geerntet wird, um die Pflanzen zu schonen.

Und wie sieht der Kunde aus, der dann auch den Pfeffer kauft? Was haben die Freunde von Mr Bong’s Pfeffer gemeinsam?

Glücklich! Der Kunde, der kauft, sieht glücklich aus. Er weiß, dass er gerade ein Spitzenprodukt erworben hat und nebenbei noch Entwicklungshelfer geworden ist. Gemeinsam ist den Freunden von Mr. Bong’s die Freude am Kochen, am Genuss und an kleinen, raffinierten Besonderheiten.

Sind das alles Genießer? Haben Ihre Kunden den Pfeffer für sich als „Gewürzfeinkost“ entdeckt?

Definitiv. Wer kein Genießer ist, wird sich gar nicht mit der Frage beschäftigen, welchen Pfeffer er verwendet, sondern einfach irgendetwas nehmen, weil es im Rezept steht. Der Genießer will das Besondere: das fruchtige Aroma des roten Pfeffers für Salate, die ätherischen Öle im schwarzen Pfeffer, die ein schönes Stück Fleisch veredeln oder die Klarheit des weißen Pfeffers, die elegant einen Fisch würzt, ohne dessen Geschmack zu erschlagen .


Mit welchen anderen Lebensmitteln oder Getränken lässt sich dieser Verfeinerungs-Trend bei den Gewürzen vergleichen?

Am ehesten mit Kaffee vermutlich – oder auch mit Craft Beer. In beiden Fällen hat die Ausweitung der industriellen Produktion zu einem „Artensterben“ von kleinen Marken geführt und letztlich das Produkt geschmacklich zum verwechselbaren Einheitsprodukt verkommen lassen. Heute erleben wir eine neue Diversifizierung, die Besinnung auf Handwerklichkeit und ein wachsendes Interesse an der Story des Produktes. Wo kommt es her? Wer hat es gemacht? Was ist das Besondere? Insbesondere Genießer haben eine hohe Affinität für das Storytelling.

Im TV wurde uns mit Ankerkraut ein Gewürz Start Up präsentiert, das mittlerweile den Sprung in den LEH inklusive Sonderplatzierung geschafft hat. Vom hochprofessionellem Online-Shop mit umfangreichem Sortiment und den ersten Merchandize Artikeln mal abgesehen. Ist das ein Vorbild ... oder kein Vergleich?

Nein, ich würde sagen, das ist das Gegenteil von unserer Idee. Natürlich möchten wir auch ein wenig wachsen, aber nicht in dieser Größenordnung. Zum einen müssten wir dann unsere hauptberuflichen Tätigkeiten an den Nagel hängen, zum anderen lehnen wir ein Wirtschaftsmodell  ab, das ausschließlich Wachstum proklamiert. Wir richten uns gerne in einer Nische ein und sagen: „… das reicht uns“ –  wie der Fischer in Bölls Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral.

Also, mal den Blick nach vorne gerichtet. Was passiert bei Mr Bong’s in 2018? Neue Produkte? Mehr Vertrieb?

Im Februar reisen wir erneut nach Kambodscha, um mit unseren Produzenten das weitere Vorgehen insbesondere in der Logistik abzustimmen. Bzgl. der Produkte werden wir bei den Verpackungseinheiten weiter differenzieren. Dann werden wir die Website stärker auf Genießer ausrichten ;-) und den Vertrieb mit einem neuen Online-Marketingkonzept ausweiten.

Zum Abschluss noch drei kurze persönliche Nachfragen mit der Bitte um drei kurze Antworten.
Barolo oder Bitburger?

Wir trinken gerne mal ein Bier, am liebsten von kleinen, besonderen Brauereien mit individuellen Rezepturen und Geschmacksnoten. Daher: Barolo.

Sushi oder Matjes?
Matjes! Sushi bietet zwar die größere geschmackliche Vielfalt, aber manchmal macht auch die Einfachheit des Genuss.
    
Chateaubriand oder Tomahawk?
Das Chateaubriand – in dem Fall geben wir zart den Vorzug vor rustikal.

 

 


Das Interview für den Connaisseur Consumer Blog führte Michael Stolzke.

Connaisseur Consumer Blog

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