Fuß fassen im weltweit größten Markt: Amaro Lucano kommt nach Deutschland

Leonardo Vena, CEO Lucano

Ein Gespräch mit CEO Leonardo Vena über die Markteinführung des Amaro Lucano und den Trend des „Aperitivo“ in Italien.

In Italien ist Amaro Lucano einer der bekanntesten Bitter und angestammter Wettbewerber der auch in Deutschland bekannten Marken. Nun nimmt das Unternehmen aus Pisticci in der Provinz Matera die deutschen Bitter-Liebhaber ins Visier. Zwar ist Deutschland der weltweit größte Markt für Bitter, Halbbitter und Kräuterliköre, allerdings auch ein sehr dicht besetzter und hart umkämpfter Markt. Der Connaisseur Consumer Blog sprach mit Leonardo Vena, CEO Lucano Srl. und Urenkel von Pasquale Vena, der das Unternehmen 1894 gründete, über die Markteinführung der Lucano Liköre in Deutschland.

 

Herr Vena, in Deutschland ist Amaro Lucano noch kaum bekannt. In Italien stellt sich das anders dar. Welche Rolle nimmt Amaro Lucano unter den Kräuterlikören in Ihrer Heimat ein?

In Italien genießt Amaro Lucano eine sehr hohe Brand Awareness, auch dank der wirtschaftlichen Weitsicht des Unternehmens, das bereits in den 80er Jahren in breitangelegte Werbekampagnen investiert hat. Heute zählt Amaro Lucano zu den bekanntesten und meist getrunkenen Bittern nach italienischer Likörtradition, mit einem klar definierten Profil und einem sehr guten Preis-Leistungsverhältnis.

Kräuterliköre, Bitter und Halbbitter bilden in Deutschland ein eng besetztes Segment. Es gibt den großen Platzhirschen, viele heimische Marken mit langer Tradition, aber auch italienische Landsleute wie Ramazotti, Averna oder Fernet Branca. Ist der deutsche Markt deshalb so interessant? Oder trotzdem interessant?

Sowohl als auch. Deutschland ist in jeder Hinsicht ein interessanter Markt für uns. Der deutsche Markt ist tatsächlich der weltweit größte der Welt für Amari und bietet somit attraktive Geschäftsmöglichkeiten für uns. Dass ein so großer Markt auch viele Mitbewerber hat, sehen wir nicht als Problem sondern als Chance, uns individuell zu positionieren.

Das Segment kennt ältere Verwendergruppen, bedient aber auch jüngere Party People. Wo sieht sich Amaro Lucano bei der Verortung der Zielgruppe?

Traditionsgemäß richtet sich das Produkt “Amaro” vor allem an ein etwas reiferes Publikum, typischerweise an den Konsumenten über 45, der ihn vor allem als Digestif nach dem Essen trinkt. An dieser Zielgruppe hat sich in der Vergangenheit auch Amaro Lucano orientiert.

Heute ist es unser Ziel, auch ein jüngeres Publikum zu gewinnen, indem wir unser Produkt zum Beispiel als Grundlage für Cocktails nutzen und so einen neuen und affinen Markt erobern – den der Mixology Culture. Gerade aus diesem Grund investieren wir in dieser Richtung und entwickeln den Bereich über eine Kooperation mit tonangebenden Lokalen sowie über Lucano Signature Drinks, die von bekannten Barkeepern aus der ganzen Welt kreiert werden.

Herr Vena, mit dem „Anniversario“ haben Sie vor knapp drei Jahren eine neue Qualität eingeführt. Geht es bei dem Amaro Lucano Anniversario um Premium? Um bessere Mixability? Erläutern Sie bitte kurz das Konzept.

Der Amaro Lucano Anniversario hat einen höheren Alkoholgehalt und ein anderes Mischungsverhältnis der einzelnen Kräuter im Vergleich zum normalen Amaro Lucano. Dadurch kommen die einzelnen Kräuternoten und Bitteraromen anders und klarer zur Geltung, zum Beispiel der Wermut oder die Benediktendistel. Durch die andere Zusammensetzung ist der Amaro Lucano Anniversario ein komplexeres Produkt und eignet sich noch besser für die Kreation hochwertigerer Cocktails, die mit kräftigeren Zutaten wie Whisky oder Gin gemixt werden, während der Amaro Lucano einen leichteren Geschmack hat und optimal für weniger strukturierte Cocktail ist.

Welche Ziele hat sich die Lucano Gruppe – dazu zählt ja auch noch Limoncetta di Sorrento – für Deutschland gesetzt? Bis wann wollen Sie was erreichen?

Als Lucano-Gruppe investieren wir in Deutschland, weil wir hier – wie schon erwähnt – einen der größten und wichtigsten Märkte weltweit haben, in dem wir präsent sein wollen. Das erste Ziel für uns ist sicherlich, den Vertrieb unseres Produktes an Restaurants und Bars der wichtigsten Städte wie Berlin, München, Hamburg und Stuttgart zu optimieren, indem wir bei den italienische Lokalen anfangen und uns dann an deutsche Restaurants wenden. Sobald die Marke effektiv im Markt etabliert ist, werden wir im zweiten Schritt in den Großhandel gehen.

Und der Weg dorthin? Auf welche Maßnahmen, welche Kanäle setzen Sie, um die Produkte voranzubringen?

Die erste Maßnahme, die wir in Deutschland ergriffen haben, war die Unterzeichnung eines Vertrages mit einem Vertriebspartner, der Ariane Abayan GmbH (Gruppe Hawesko), der uns eine flächendeckende Verfügbarkeit im Markt garantiert. Darüber hinaus investieren wir in Veranstaltungen, mit denen wir einen neuen Trend bedienen, welcher in Italien schon seit Jahren etabliert ist: den „Aperitivo“ in einer Bar zu trinken und als Moment der Geselligkeit zu erleben, in dem man sich zum Beispiel nach der Arbeit mit Freunden trifft, um sich bei einem Cocktail gemeinsam zu entspannen.

In Berlin haben wir verschiedene Events nach dem Motto „Aperitivo is an Italian Job“ organisiert, bei denen wir Amaro Lucano als hervorragende Grundlage für das Mixen von Cocktails vorstellen. Wir sind fest überzeugt von diesem neuen Trend und sind deshalb jedes Jahr auf dem Bar Convent Berlin mit einem großen Stand vertreten, auf dem sowohl Amaro Lucano als auch der Amaro Lucano Aniversario und unser Limoncetta präsentiert werden.

Mal persönlich gewendet: Wie trinken Sie den Amaro Lucano am liebsten? Klassisch und pur? Mit oder ohne Eis und Zitrone? Oder doch lieber als Cocktail?

Der Amaro Lucano kann wunderbar pur wie auch gemixt in einem Cocktail getrunken werden. Ich persönlich trinke ihn pur am liebsten mit einem großen Eiswürfel und einer Orangenscheibe. Als Cocktail hingegen ist mein Favorit der Negroni.

Aber mit Freunden und Familie trinken Sie sicherlich nicht nur Kräuterlikör. Welche Getränke und Speisen beschreiben am besten Ihren persönlichen Genuss?

Ich trinke sehr gerne Bier und als echter Italiener ist mein Lieblingsessen Pasta mit Ricotta, Peperoni Cruschi und Semmelbröseln, ein typisches Gericht nach lukanischer Tradition.

Zum Abschluss noch drei kurze Nachfragen mit der Bitte um drei kurze
Antworten. Was mögen Sie lieber?
Barolo oder Bitburger?
Bitburger

Sushi oder Matjes? Sushi

Chateaubriand oder Tomahawk? Tomahawk (Ich mag keine Sauce Bernaise)

 

 

Das Interview für den Connaisseur Consumer Blog führte Michael Stolzke.

 

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