Basisbewegung Bier: erste Ausstellung für Hobby- und Kleinstbrauer

Markus Kosak, Projektleiter der drinktec

Über Kraft und Würze der privaten Brauer-Szene steht dem Connaisseur Consumer Blog Markus Kosak, Projektleiter der drinktec, Rede und Antwort.

Ein wenig überraschend kündigte die drinktec vor einigen Wochen die „Ausgründung“ einer speziellen Messe für Hobby- und Kleinstbrauer an. Ende September präsentiert sich die „Home & Craft“ in Stralsund erstmals außerhalb der großen drinktec in München. Dort fand vor einem Jahr der Probelauf des neuen Formats statt und erntete soviel Zuspruch, dass die Verantwortlichen alsbald größere Pläne schmiedeten.

Dabei steht gar nicht fest, wieviele private Kleinstbrauer es überhaupt gibt. Doch die nachhaltige Entwicklung der Craft Beer Szene macht den Machern des neuen Formats Mut. Verstärkt steigt die sonst nur konsumierende Bier-Basis in das eigene Brauen ein und sucht nach entsprechendem Equipment und Rat. Und wo ein solcher Wille ist, findet sich nun ein Weg. Im Gespräch mit dem Connaisseur Consumer Blog erläutert Markus Kosak von der drinktec Idee und Zielsetzung der „Home & Craft“.

 

Herr Kosak, vom 28. bis 29. September 2018 findet in Stralsund die erste Home & Craft statt, die sich an Hobby- und Kleinstbrauer richtet. Was ist bei der Premiere im Rahmen der drinktec 2017 geschehen, dass das Format sofort auf die eigenen Beine gestellt wird?

Die Gruppe der Kleinst- und Hobbybrauer ist in den letzten Jahren stetig angewachsen. Von daher war uns allen schnell klar, dass das für die drinktec eine interessante neue Zielgruppe sein kann, für die wir auf der Messe ein spezielles Angebot schaffen wollen: Die Home & Craft war geboren. Auf Anhieb wurde dieses neue Angebot gut angenommen. Bei unserer Besucherbefragung lobten 97 Prozent der Befragten diesen neuen Ausstellungsbereich. Dieselbe Befragung ergab, dass jeder fünfte Brauer, der die drinktec 2017 besuchte, aus der Craftbrauer-Szene kam. Das Konzept ist voll aufgegangen und die Idee, ein eigenes Format für die spezielle Szene der Hobbybrauer auf die Beine zu stellen, war nach diesen Erfahrungen naheliegend.

Woher kommt plötzlich dieses Publikum, diese Zielgruppe? Können Sie die Gruppe der Interessenten zahlenmäßig einschätzen?

Die Hobbybrauer kamen ja nicht von einem Tag auf den anderen. Viele der heutigen Craftbrauer haben einmal ganz klein angefangen und beispielsweise in ihrem Wohnzimmer oder in der berühmten Garage experimentiert. Die Grenze zwischen der Produktion für den Hausgebrauch und dem professionellen Gewerbe ist fließend. Ich denke, keiner weiß genau, wie viele Hobbybrauer es in Deutschland gibt. Schätzungen gehen von etwa 17.000 aus, das wäre dann immerhin eine Kleinstadt.

Aus leidenschaftlichen Biertrinkern mit angelesenem Fachwissen werden jetzt Hobby-Kreativbrauer? Was sind die Motive, die aus Konsumenten Produzenten machen?

Ich persönlich finde die Entwicklung nicht sehr überraschend. Es gibt ja auch leidenschaftliche Weintrinker, die sich irgendwo im Süden ein Weingut kaufen und Winzer werden. Wieso soll das beim Bier anders sein? Das nötige Wissen lässt sich auch relativ unkompliziert aneignen. Beispielsweise durch entsprechende Kurse oder das Rahmenprogramm, dass wir auf der Home & Craft in Stralsund anbieten werden, um nur einige Beispiele zu nennen. Bei den Hobbybrauern geht es häufig einfach um die Experimentierfreude und das Streben nach Individualität. Sie müssen ja keinen Massengeschmack bedienen.

Dementsprechend sieht das Programm der Home & Craft wie aus?

In Stralsund wird es, parallel zu den Zweiten Deutschen Meisterschaften der Hobbybrauer, die Home & Craft, eine Ausstellung geben mit Anbietern von Rohstoffen, Brau-Equipment oder anderen Lösungen für kleinere Braumengen. Wir rechnen mit etwa 30 Ausstellern. Parallel dazu gibt es ein Vortragsprogramm mit Themen, die auf die Bedürfnisse der Hobby- und Kleinstbrauer zugeschnitten sind: vom „Mysterium Hefe“ bis zu „kreatives und verrücktes Brauen“. Wir sind sehr zuversichtlich, dass das gut ankommen wird und den Hobbybrauern so einen Mehrwert für die persönliche Weiterentwicklung liefert.   

 

 

 

 

"Ich denke, keiner weiß genau, wie viele Hobbybrauer es in Deutschland gibt. Schätzungen gehen von etwa 17.000 aus, das wäre dann immerhin eine Kleinstadt."

 

 

Kann man den direkten Vergleich zur Craft Beer-Szene ziehen? Da scheint ja das gewachsene Interesse nur langsam zu mehr Absatz und Umsatz zu führen. Wie nachhaltig ist Ihrer Meinung nach der Trend zum Self Made Bräu?

Das ist sehr schwer zu sagen. Soviel ich weiß, gibt es dazu keine seriösen Prognosen. Für viele, die von diesem Trend begeistert sind, wird das ein ambitioniertes Hobby bleiben. Insofern ist der Trend sicher nachhaltig. Allerdings wissen wir aus Erfahrung, dass aus einem Hobbybrauer auch ein Craftbrauer werden kann. Insofern sehe ich hier die Grenzen von einem zum anderen eher fließend. Auf diesem Weg können wir die Hobbybrauer begleiten und Anregungen geben.

Noch einmal zu den Craft Bieren und Kreativbrauern. Etablierte Messen und Veranstaltungsformate haben unserer Beobachtung nach erst recht spät auf Craft Beer gesetzt. Bei der Zuspitzung auf Hobby- und Kleinstbrauer ist die drinktec nun umso schneller. Zufall oder strategisches Learning?

Die drinktec hat immer das Ziel, sich den Gegebenheiten des Marktes anzupassen oder Trends möglichst voraus zu ahnen, ohne Voreingenommenheit und Scheuklappen. Bei der Sache mit den Hobbybrauern haben wir sicher aus dem Craftbier-Boom gelernt, wo viele versucht haben und noch immer versuchen, quasi in letzter Sekunde auf diesen Zug aufzuspringen. Wir wollten aber auch ein Zeichen setzten: Dass die drinktec, der oft nachgesagt wird, nur für die Großen da zu sein, alle an der Bierproduktion Interessierten anspricht, bis hin zu den Kleinst- und Hobbybrauern. Diese Produkte waren bereits Teil des drinktec Portfolios und bekommen nun eine eigene Plattform.

Ein letztes noch. Die erste Auflage der Home & Craft findet in Stralsund. Was hat die Münchner in den hohen Norden gebracht?

Die Störtebeker Braumanufaktur. Die Verantwortlichen dort waren schnell überzeugt davon, dass ihre Deutsche Meisterschaft der Hobbybrauer durch die Kombination mit einer Ausstellung für Kleinst- und Hobbybrauer noch attraktiver wird. Das Ganze ergibt ja auch Sinn. Die Hobbybrauer, die in Stralsund um die Deutsche Meisterschaft wetteifern, finden an Ort und Stelle auch gleich passendes Equipment für das Brauen in kleinen Mengen. Diese Plattform wird eine jährliche Möglichkeit bieten sich über die Neuerungen zu informieren und 2021 wieder im Rahmen der drinktec stattfinden. Stralsund wird ein Bierfestival mit allem Drum und Dran. Wir freuen uns sehr auf ein Wiedersehen vom 28. bis 29. September!

 

 

Das Interview für den Connaisseur Consumer Blog führte Michael Stolzke.

 

 

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